Armutsbekämpfung muss im Kindesalter ansetzen – Schule und Jugendhilfe besser vernetzen!

Laut einer Studie des Paritätischen Wohlfahrtsverbands ist die Armutsquote im Saarland im Jahr 2013 um 1,7 Prozent auf 17,1 Prozent gestiegen. Hierzu erklärt der stellvertretende Fraktionsvorsitzende der Grünen-Landtagsfraktion, Klaus Kessler:

„Die Landesregierung muss der Realität ins Auge sehen und anerkennen, dass auch im Saarland ein erhebliches Armutsproblem existiert. So ist die Armutsquote im Jahr 2013 im Vergleich zum Vorjahr mit 1,7 Prozent so deutlich gestiegen, wie in kaum einem anderen Bundesland. Angesichts der hohen Zahl der Menschen, die hierzulande im sozialen Abseits stehen, muss die Landesregierung endlich den schon lange angekündigten Armutsbericht für das Saarland vorlegen. Dieser ist entscheidend, um zielgerichtete Maßnahmen zur Bekämpfung dieses Problems auf den Weg zu bringen.

Darüber hinaus muss sich die Landesregierung endlich der Problematik der hohen Kinder- und Jugendarmutsquote im Saarland annehmen. Im Juli 2014 hatte eine Studie des Instituts für Sozialpädagogische Forschung in Mainz ergeben, dass jedes sechste Kind hierzulande Sozialgeld erhält und somit an der Armutsgrenze lebt. Wirksame Armutsbekämpfung muss unserer Auffassung nach bereits im Kinderalter beginnen. Ein wichtiger Bestandteil davon muss es sein, im Bildungsbereich die Vernetzung von Schule und Jugendhilfe deutlich zu verbessern. Es ist vor diesem Hintergrund ein völlig falscher Weg, die Bildungsausgaben um 5,2 Millionen Euro zu reduzieren, wie es die Landesregierung im Haushalt 2015 getan hat.

Stattdessen fordern wir, auf den geplanten Abbau von 112 Lehrerstellen in diesem Jahr zu verzichten und die Schulsozialarbeit auszubauen. Im Saarland existieren zurzeit verschiedene Unterstützungssysteme im Bereich der Jugendhilfe (Schoolworker) und der schulischen Sozialarbeit (Schulsozialarbeit). Sozialpädagogische Fachkräfte werden an gebundenen Ganztagsschulen kontinuierlich für die Schülerbetreuung eingesetzt. Die Schoolworker werden auf die anderen Schulen verteilt, kommen hier jedoch nur tage- oder stundenweise zum Einsatz.

Wir fordern von der Landesregierung, an jeder weiterführenden Schule mindestens eine Schulsozialarbeiterstelle einzurichten, damit auch Schoolworker dauerhaft an einer Schule eingesetzt werden können. Nur dadurch können wir eine ausreichende Betreuung besonders für Kinder und Jugendliche aus sozial problematischem Umfeld gewährleisten. Diese jungen Menschen frühzeitig zu fördern, ist entscheidend, um ihnen eine gute Zukunftsperspektive zu geben. Die Landesregierung muss hierzu die bislang unterschiedlichen Unterstützungssysteme zusammenführen und auf eine einheitliche Finanzierungsgrundlage stellen.“

 

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