Bildungsmonitor 2016: Rahmenbedingungen an Schulen und Hochschulen verbessern!

Zum „Bildungsmonitor 2016“ der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft, bei dem das Saarland den sechsten Platz im Ländervergleich belegt, erklärt der stellvertretende Fraktionsvorsitzende der Grünen-Landtagsfraktion, Klaus Kessler:

„Es ist zu begrüßen, dass das Saarland im Ländervergleich beim Thema Integration und einer geringen Wiederholerquote in der Sekundarstufe I punkten kann. Dennoch mahnt der Bildungsbericht deutliche Verbesserungen an. So gehen hierzulande besonders viele Lehrerinnen und Lehrer vorzeitig in den Ruhestand. Die Quote bei den Versorgungszugängen wegen Dienstunfähigkeit lag 2014 bei 20,3 Prozent und damit fast doppelt so hoch wie im Bundesdurchschnitt.

Diese Situation ist ein Symptom der hohen Arbeitsbelastung des Lehrpersonals, das mit immer mehr Aufgaben, wie etwa der Umsetzung der Inklusion und der Betreuung von Flüchtlingskindern, konfrontiert ist. Hier sehen wir die Landesregierung gefordert, die Rahmenbedingungen für die Lehrerinnen und Lehrer deutlich zu verbessern. Ein wichtiger Schritt stellt die Verkleinerung der Lerngruppen dar. Wir fordern, die Klassengrößen an Grundschulen auf 22, an weiterführenden Schulen auf 25 Schülerinnen und Schüler zu begrenzen. Zur weiteren Entlastung muss das Lehrpersonal deutlich mehr als bislang durch Schulsozialarbeiter unterstützt werden. Zudem fordern wir, an allen Grundschulen eine Sekretariatsstelle zu schaffen. Für Lehrpersonal, das nach längerer Erkrankung in den Dienst zurückgehrt, brauchen wir ein effektives Wiedereingliederungsmanagement. So sollte diesen Lehrerinnen und Lehrern die Möglichkeit gegeben werden, zunächst mit reduzierter Stundenzahl wieder eingesetzt zu werden.

Defizite im Bildungssystem sieht der Bericht auch bei der Zahl der gebundenen Ganztagsschulen. Während im Bundesdurchschnitt 39,6 Prozent der Kinder in der Sekundarstufe I in solchen Schulen betreut werden, sind es hierzulande lediglich 18 Prozent. CDU und SPD hinken ihrem Koalitionsziel, 25 zusätzliche gebundene Ganztagsschulen bis Ende der Legislaturperiode einzurichten, deutlich hinterher. Mit Beginn des Schuljahres 2016/17 wird es lediglich 17 solcher Einrichtungen geben. Dabei tragen diese Schulen erheblich zur Bildungsgerechtigkeit bei, da sie auch Kindern von Eltern aus bildungsfernen Schichten sehr gute Fördermöglichkeiten bieten. Bildungsminister Commerçon ist daher in der Pflicht, den Ausbau deutlich schneller voranzutreiben.

Schließlich verdeutlicht der Bildungsbericht, wie fehlgeleitet der Sparkurs der Landesregierung im Hochschulbereich ist. Die Investitionsquote liegt mit fünf Prozent deutlich unter dem Schnitt von 9,9 Prozent. Nirgendwo in Deutschland gibt es verhältnismäßig so wenig wissenschaftliches Personal. Ministerpräsidentin Kramp-Karrenbauer muss endlich erkennen, dass Investitionen in die Hochschullandschaft rentierliche Investitionen in die Zukunft des Landes sind. Die Hochschulen brauchen ausreichende Finanzmittel, um langfristig ein attraktives Forschungs- und Fächerangebot vorhalten zu können.“

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