Commerçons unausgegorene Pläne zu G9: Gemeinschaftsschulen und BBZs dürfen nicht das Nachsehen haben

Bildungsminister Commerçon hat auf dem gestrigen Schulleiterempfang erneut für eine künftige Wahlfreiheit im Saarland zwischen G8- und G9-Gymnasien geworben. Hierzu erklärt der stellvertretende Fraktionsvorsitzende der Grünen-Landtagsfraktion, Klaus Kessler:

 „Das Vorhaben von Minister Commerçon, den Eltern ein Wahlangebot zwischen G8- und G9-Gymnasium zu machen, setzt voraus, dass es in Zukunft auch genügend G9-Gymnasien im Saarland geben wird. Einerseits kommt dies dem Wunsch vieler Eltern entgegen, andererseits darf eine solche Schulreform nicht auf Kosten der beruflichen Oberstufengymnasien und der Oberstufen der Gemeinschaftsschulen gehen. Denn dort wird ebenfalls das Abitur nach neun Jahren angeboten.

Es ist ein Versäumnis des Ministers, dass er diese Wege zum Abitur bislang nicht offensiv genug nach außen vertreten hat. Es war auch ein Fehler, die gymnasialen Oberstufenstandorte der Gemeinschaftsschulen nicht so frühzeitig bekannt zu geben, dass dieser Weg von den Eltern als echte Alternative zum achtjährigen Gymnasium akzeptiert wird. So gibt es die Gemeinschaftsschulen bereits seit 2012. Die Oberstufenstandorte wurden jedoch erst im Februar 2016 der Öffentlichkeit bekanntgegeben. Auch die gymnasialen Oberstufenstufenstandorte an den beruflichen Schulen hat Minister Commerçon nicht genügend in das Bewusstsein der Eltern gerückt.

Eine Öffnung des Bildungswegs am Gymnasium zu G9 kann nur im Rahmen einer Schulentwicklungsplanung gemeinsam mit den Schulträgern unter Berücksichtigung der bestehenden gymnasialen Oberstufenstandorte an Gesamtschulen/Gemeinschaftsschulen sowie denen der Berufsbildungszentren erfolgen. Das heißt zum Beispiel, dass es in räumlicher Nähe gut ausgebauter Gesamtschulen/Gemeinschaftsschulen mit gymnasialen Oberstufen wenig Sinn hat, benachbarte Gymnasien auf G9 umzustellen.

Deshalb sprechen wir uns dafür aus, das bestehende Zwei-Säulen-Modell behutsam weiterzuentwickeln und um eine Variante zu ergänzen, die auch G9-Gymnasien beinhaltet, ohne dabei die alternativen Wege zum Abitur nach neun Jahren zu untergraben.“

Fraktionsbeschluss der Grünen-Landtagsfraktion.

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