Ethik-Unterricht: Bildungsminister Commerçon macht sich mit Kritik an Grünen-Position unglaubwürdig

Ethik-Unterricht: Bildungsminister Commerçon macht sich mit Kritik an Grünen-Position unglaubwürdig

Bildungsminister Ulrich Commerçon wirft der Grünen-Landtagsfraktion vor, es in ihrer Regierungszeit verpasst zu haben, eine Neuregelung des Ethik-Unterrichts im Saarland auf den Weg zu bringen. Klaus Kessler, stellvertretender Fraktionsvorsitzender der Grünen-Landtagsfraktion weist diese Kritik zurück und erklärt:

„Der Bildungsminister scheint bei all seiner Kritik vergessen zu haben, dass die stufenweise und verbindliche Einführung des Ethik-Unterrichts auf der Agenda für die zweite Hälfte unserer Regierungszeit stand. Dies hatte ich dem Fachverband der Philosophielehrer im Saarland in einem Gespräch mitgeteilt. Bekanntermaßen und bedauerlicherweise konnten unsere Pläne zum Ethik-Unterricht nicht weiter verfolgt werden. Statt hier also ungerechtfertigte Kritik zu äußern, sollte sich der Bildungsminister an seine eigenen Versprechen erinnern, die er vor mehr als zwei Jahren in einer Antwort zu einer Anfrage unserer Fraktion vom 30. November 2012 geäußert hat. Darin hatte er bereits angekündigt, eine Neukonzeption des Ethik-Unterrichts im Saarland zu prüfen.

Es ist beschämend, dass es mehr als zwei Jahre gedauert hat, um jetzt bestenfalls eine halbherzige Lösung auf den Weg zu bringen. Commerçon rühmt sich damit, dass die weiterführenden Schulen ab dem kommenden Jahr optional das Fach Ethik ab Klassenstufe fünf anbieten dürfen. Dabei ist dies seit Jahren übliche Praxis. Zahlreiche Schulen im Land haben bereits auf freiwilliger Basis im Rahmen ihres Stundenbudgets alternativ zum konfessionellen Religionsunterricht einen Werteunterricht (Ethik) eingeführt.

Echte Vorteile für die Schulen bietet die angekündigte Neuregelung nicht. Die Landesregierung stellt ihnen nicht einmal mehr Lehrerstunden für diesen optionalen Ethik-Unterricht zur Verfügung. Die Rechtfertigung des Bildungsministers zeugt von wenig Sachkenntnis. In seiner Presseerklärung heißt es: „Wenn vor Ort die Nachfrage nach Religion sinkt, können die bisher verwendeten Ressourcen in den wertebildenden Unterricht des Fachs Ethik eingebracht werden.“ Eine einfache Rechnung zeigt allerdings: Wenn beispielsweise von 25 Schülerinnen und Schülern einer Klasse nur noch 15 am Religionsunterricht und die restlichen zehn am Ethikunterricht teilnehmen wollen, müssen doch weiterhin beide Fächer parallel angeboten werden. Von Ressourcenersparnis kann folglich keine Rede sein. Der Einzige, der sich in dieser Diskussion also unglaubwürdig macht, ist der Bildungsminister selbst.

Es scheint, als sei es das Aushängeschild dieser Landesregierung, zum verbalen Angriff überzugehen, sobald ihr die sachlichen Argumente ausgehen.“

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