Ethik-Unterricht muss verbindliche Alternative zum Fach Religion werden – Islam-Unterricht auch an weiterführenden Schulen anbieten

Die Landesregierung plant, ab dem kommenden Schuljahr im Rahmen eines Modellversuchs Islam-Unterricht an Grundschulen ab der Klassenstufe 1 einzuführen. Außerdem sollen Schulen künftig Ethik-Unterricht auf freiwilliger Basis ab dem fünften Schuljahr anbieten können. Als verbindliche Alternative zum Fach Religion wird Ethik bislang erst ab der Klassenstufe neun unterrichtet. Hierzu erklärt der stellvertretende Fraktionsvorsitzende der Grünen-Landtagsfraktion, Klaus Kessler:

„Die Einführung des Islam-Unterrichts ist ein wichtiger Schritt auf dem Weg, eine Willkommenskultur für Menschen muslimischen Glaubens zu schaffen und sie erfolgreich in unsere Gesellschaft zu integrieren. Das Vorgehen von Bildungsminister Commerçon, es zunächst bei einem Modellprojekt für Grundschulen zu belassen, halten wir jedoch für zu zaghaft. Schülerinnen und Schüler muslimischen Glaubens an weiterführenden Schulen müssen aus unserer Sicht ebenso die Chance erhalten, an islamischem Religionsunterricht teilzunehmen. Wir fordern von der Landesregierung daher, das Projekt auf die Sekundarstufe I der Gemeinschaftsschulen und Gymnasien auszuweiten.

Darüber hinaus halten wir es angesichts der steigenden Zahl von Schülerinnen und Schülern, die vom Religionsunterricht befreit sind, für unerlässlich, das Fach Ethik verbindlich als Alternative zum Religionsunterricht im Stundenplan zu verankern. Bereits im Jahr 2012 hatte die Landesregierung auf Anfrage unserer Fraktion hin angegeben, dass bis zu 6000 Schülerinnen und Schüler nicht mehr am Religionsunterricht teilnehmen. Schon damals wurde angekündigt, zu prüfen, unter welchen Voraussetzungen ein verbindlicher Ethik-Unterricht in weiteren Klassenstufen möglich sein wird. Bis heute ist es jedoch bei diesen Ankündigungen geblieben.

Hier besteht dringender Handlungsbedarf. Ethik-Unterricht lediglich optional im Rahmen des vorhandenen Stundenbudgets der Schulen ab dem fünften Schuljahr einzuführen, wie es Bildungsminister Commerçon plant, ist der falsche Weg. Die Landesregierung muss endlich zusätzliche Lehrerstellen schaffen. Nur auf diesem Weg können die Schulen den konfessionellen Religionsunterricht und Ethikunterricht parallel anbieten, ohne gleichzeitig andere Schulangebote streichen zu müssen. Wir fordern von der Landesregierung, einen Stufenplan zu erarbeiten, um das Fach Ethik Schritt für Schritt als verbindliche Alternative ab der Klassenstufe fünf aller Gemeinschaftsschulen und Gymnasien einzuführen.

Sowohl Ethik- als auch Religionsunterricht müssen im Sinne einer Werteerziehung das Ziel verfolgen, den Schülerinnen und Schülern die Grundsätze, Gemeinsamkeiten wie auch Unterschiede der großen Religionen zu vermitteln. Wir halten dies für eine wichtige Grundvoraussetzung, um die Verständigung zwischen Menschen verschiedener Religionen und Kulturen und auch deren Verständnis füreinander zu fördern.“

 

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