Experten bestätigen Gesundheitsgefahren durch Glyphosat – Minister Jost muss Ausbringungsverbot erwirken

Im heutigen Umweltausschuss stand die öffentliche Anhörung zum Thema Glyphosat-Einsatz auf der Tagesordnung. Zu den Ergebnissen erklärt der Fraktionsvorsitzende der Grünen-Landtagsfraktion, Hubert Ulrich:

„Es ist die weit verbreitete Meinung unter Wissenschaftlern und auch die der Weltgesundheitsorganisation WHO, dass das Unkrautvernichtungsmittel Glyphosat wahrscheinlich eine krebserregende Wirkung hat und seine Anwendung daher untersagt werden sollte. Diese Auffassung hat auch ein Großteil der heute angehörten Experten geteilt, insbesondere die Vertreter des BUND, der Verbraucherzentrale des Saarlandes, der Ärztekammer und der Epidemiologe Professor Dr. Greiser. Demnach stehe das Herbizid auch im Verdacht, Parkinson auszulösen und die Darmflora zu schädigen. Zudem ist Professor Greiser zum Schluss gelangt, dass die Stellungnahme des Bundesamts für Risikobewertung, die die Grundlage für die Neuzulassung des Stoffs auf EU-Ebene darstellt, sämtliche kritische Studien zu Glyphosat ignoriert hat. Sie stelle demnach vielmehr eine industriefreundliche Bewertung dar.

Unabhängig davon, wie das Neubewertungsverfahren auf EU-Ebene ausgeht, sehen wir die Länder gefordert, ihren eigenen rechtlichen Spielraum für ein Glyphosat-Ausbringungsverbot zu nutzen. Nachdem Rheinland-Pfalz bereits den Einsatz des Herbizids seit Juni 2015 auf öffentlichen Flächen verboten hat, ist diese Woche auch Hamburg diesem Vorbild gefolgt. Daher erhärten wir unsere Forderung an Umweltminister Jost, endlich das Vorsorgeprinzip anzuwenden und den Einsatz von Glyphosat auf öffentlichen Freiflächen zu untersagen. Er darf nicht länger die Interessen der Pestizid-Lobby über den Schutz der Umwelt und der Gesundheit der Bürgerinnen und Bürger stellen.

Minister Jost kann sich auch nicht länger auf die Position zurückziehen, dass es keine umweltverträglichen Alternativen zum Einsatz von Glyphosat zur Unkrautbekämpfung in der Landwirtschaft gibt. Denn wie die Anhörung gezeigt hat, gibt es diese durchaus, beispielsweise, indem die Felder gepflügt werden. In Fällen, in denen der Pflug nicht eingesetzt werden kann, halten wir es für unerlässlich, den Einsatz von Glyphosat auf das absolut Notwendigste zu reduzieren. Generell verboten werden muss unserer Auffassung nach jedoch die Anwendung dieses Stoffs zur Abreifebeschleunigung kurz vor der Ernte. Denn zu diesem Zeitpunkt besteht das größte Risiko, dass das Herbizid in die Lebensmittelkette gelangt.

Darüber hinaus fordern wir von Minister Jost, durch die Landesämter künftig auch Kläranlagen, Nahrungsmittel sowie Bedarfsgegenstände im Hygiene-Bereich auf eine mögliche Glyphosat-Belastung hin untersuchen zu lassen. Denn wie heute bekannt wurde, wird bislang lediglich das Grundwasser beprobt.“

 

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