Fehlerhafte Hüftimplantate: Landesamt hätte deutlich früher einschreiten müssen

Fehlerhafte Hüftimplantate: Landesamt hätte deutlich früher einschreiten müssen

Aufgrund der vom ARD-Magazin „Panorama“ erhobenen Vorwürfe gegenüber dem saarländischen Landesamt für Umwelt- und Arbeitsschutz (LUA), nicht rechtzeitig gegen fehlerhafte künstliche Hüftgelenke der Firma DePuy vorgegangen zu sein, hat die Grünen-Landtagsfraktion das Thema auf die Tagesordnung des heutigen Verbraucherschutzausschusses gesetzt. Zu den Ergebnissen der Sitzung erklärt der Fraktionsvorsitzende, Hubert Ulrich:

 „Die heutige Sitzung hat uns in unserer Auffassung bekräftigt, dass das LUA nach Bekanntwerden der Probleme mit den Hüftgelenksprothesen der Firma DePuy hätte deutlich entschiedener einschreiten müssen. Wie berichtet wurde, waren Probleme mit dem Implantat in Australien bereits im Jahr 2007 bekannt. Damals betrug dort die Fehlerquote überdurchschnittlich hohe 3,5 Prozent. Im Jahr 2008 wurde das saarländische LUA schließlich durch das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte über die Probleme mit den Prothesen informiert.

Daraufhin sei es Anfang 2009 zu einem Treffen bei der Firma DePuy in Kirkel gekommen, an dem ein Mitarbeiter des LUA und ein Mitarbeiter der Gewerbeaufsicht teilgenommen haben. In der Folge habe man vereinbart, dass künftig ein Mitarbeiter des Herstellers bei entsprechenden Hüft-Operationen anwesend sein müsse.

Unserer Auffassung nach hat man sich beim Landesamt schlicht auf die Angaben des Herstellers verlassen, der die Probleme offenbar auf operative Mängel zurückführen wollte. Dieses Verhalten ist bei einem solch heiklen Thema, bei dem es um nichts Geringeres als die Gesundheit von Patientinnen und Patienten geht, geradezu fahrlässig. Unserer Meinung nach hätte das LUA hier unmittelbar ein unabhängiges Gutachten einholen müssen. Dies hätte möglicherweise dazu geführt, dass der Hersteller die Prothese hätte schneller vom Markt nehmen müssen.

Stattdessen kam sie noch bis zum Jahr 2010 zum Einsatz. Insgesamt wurde diese Prothese 1200 Patientinnen und Patienten aus dem Saarland implantiert. Manche von ihnen müssen noch heute unter den Langzeitfolgen leiden, da durch den Abrieb der Prothese Metallpartikel in ihr Blut gelangt sind. Durch ein früheres, beherzteres Einschreiten der Behörden wäre diesen Menschen wohl ein solches Leid erspart geblieben.“

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