Ganztagsschulausbau: Komplexes Anreizsystem statt sanftem Initiativdruck!

Zum heute im Ministerrat verabschiedeten Initiativrecht zum Ganztagsschul-Ausbau im Saarland erklärt der stellvertretende Fraktionsvorsitzende der Grünen-Landtagsfraktion, Klaus Kessler:

„Das von Bildungsminister Commerçon auf den Weg gebrachte Initiativrecht ist nicht mehr als der verzweifelte Versuch, die ernüchternde Bilanz der Landesregierung beim Thema Ganztagsschulausbau ein wenig aufzubessern. Tatsache ist, dass die Landesregierung im Koalitionsvertrag den Mund sehr voll genommen hat, als sie sich die Einrichtung 25 zusätzlicher gebundener Ganztagsschulen bis zum Jahr 2017 zum Ziel gesetzt hat. Seit Antritt der Großen Koalition sind gerade einmal acht hinzugekommen. Angesichts der angestrebten Zielmarke kann die Ganztagsschulpolitik der Landesregierung in quantitativer Hinsicht schon jetzt als gescheitert betrachtet werden.

Die heute verabschiedete Verordnung dürfte daran nichts ändern. Denn ein Initiativrecht seitens des Schulträgers und der Schulkonferenz darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass vom Grundsatz her keine Ganztagsschule gegen den Willen eines großen Teils der Lehrerschaft eingerichtet werden kann. Auch wenn die Schulkonferenzen drittelparitätisch zusammengesetzt sind, werden sich wohl kaum Eltern oder gar Schüler gegen das Votum der vertretenen Lehrer aussprechen. Somit droht dieses Initiativrecht, zum zahnlosen Tiger zu werden.

Um den Ganztagsschulausbau wirklich voranzutreiben, ist weit mehr nötig als sanfter Initiativdruck. Wir fordern vom Bildungsminister, ein komplexes Anreizsystem für Schulen zu schaffen, die sich als gebundene Ganztagsschule bewerben sollen. Die Schulen müssen dazu über die Ganztagsschulpersonalisierung hinaus zusätzliche Planungsstunden erhalten. Ins Auge gefasst werden sollte auch eine Absenkung der Unterrichtsverpflichtung der Lehrer aufgrund der höheren Belastung im Ganztagsschulbetrieb. Dies gilt insbesondere für die Schulleiterinnen und Schulleiter an Grundschulen. Zudem müssen Anreize durch eine deutliche Aufstockung der sozialpädagogischen Fachkräfte geschaffen werden.“

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