Geplante Regelung zum Ethik-Unterricht ist halbherzig – Saarland hinkt im Ländervergleich hinterher

Die Landesregierung hegt keine Pläne, Ethik-Unterricht flächendeckend als verbindliche Alternative zum Fach Religion ab der Klassenstufe fünf einzuführen. Stattdessen sollen die Schulen Ethik im Rahmen des vorhandenen Stundenbudgets ab Klassenstufe fünf freiwillig anbieten können. Dies hat die Landesregierung in der heutigen Sitzung des Bildungsausschusses bekannt gegeben. Hierzu erklärt der stellvertretende Fraktionsvorsitzende der Grünen-Landtagsfraktion, Klaus Kessler:

„Wir fordern Bildungsminister Commerçon dazu auf, sich endlich für Ethik-Unterricht als verbindliche Alternative zum Fach Religion ab Klassenstufe fünf einzusetzen. Das Saarland hinkt mit seiner jetzigen Regelung im Ländervergleich meilenweit hinterher. Zusammen mit Hamburg ist es das einzige Bundesland, das das Fach Ethik für Schülerinnen und Schüler, die vom Religionsunterricht befreit sind, erst ab der Klassenstufe neun vorschreibt. In sämtlichen anderen Ländern greift diese Regelung wenigstens ab der Klassenstufe sieben, in vielen schon ab Klassenstufe fünf. Das Saarland muss hier angesichts der steigenden Zahl von Schülerinnen und Schülern, die am Religionsunterricht nicht teilnehmen, dringend nachziehen. Bereits im Jahr 2012 waren dies laut Angaben der Landesregierung rund 6000. Auch diese Schülerinnen und Schüler müssen das Recht auf eine Werteerziehung haben.

Es kann nicht angehen, dass ein solcher Werteunterricht im Saarland weiter wie bisher nach Kassenlage stattfindet. Bei der jetzigen Regelung können die Schulen das Fach Ethik lediglich im Rahmen des vorhandenen Stundenbudgets anbieten. Dies führt zwangsläufig dazu, dass andere Unterrichts- und sonstige Bildungsangebote wie Arbeitsgemeinschaften eingeschränkt werden. Die Landesregierung ist in der Pflicht, für den Ethik-Unterricht zusätzliche Lehrerstellen einzurichten. Nur dann wird es möglich sein, dass die Schulen Ethik- und Religionsunterricht parallel anbieten, ohne dass darunter das sonstige Bildungsangebot der Schulen leidet.“

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