Grubenwasseranstieg: Grüne befürchten erhebliche Umweltgefährdung durch freiwerdende Giftstoffe

Laut eines Berichts des Magazins „Der Spiegel“ (10.01.2015) wurden in Deutschland zwischen den Jahren 1979 und 1984 im Bergbau rund 12 500 Tonnen der hochgiftigen polychlorierten Biphenyle (PCB) in Form von Hydraulikölen eingesetzt. Davon wurden laut Spiegel-Informationen nicht einmal zehn Prozent ordnungsgemäß entsorgt. Der Grünen-Landtagsfraktion liegt nun der Bericht des  Untersuchungsausschusses „Sonderabfall“ des saarländischen Landtags vom 17.10.1984 vor (Drucksache 8/2132), der belegt, dass  allein zwischen den Jahren 1979 und 1983 etwa 1500 Tonnen PCB im saarländischen Bergbau verbraucht wurden. Wie viele Tonnen hiervon ordnungsgemäß entsorgt wurden, ist laut des Berichts unklar. Hierzu erklärt der Fraktionsvorsitzende der Grünen-Landtagsfraktion, Hubert Ulrich:

„Wie viel Tonnen des giftigen Stoffes PCB lagern tatsächlich in den saarländischen Gruben? Die Landesregierung sah sich bisher außer Stande, uns dafür verlässliche Zahlen zu nennen. In der letzten Sitzung des Ausschusses für Grubensicherheit im Dezember 2014 wurde auf unsere Nachfrage hin lediglich darauf verwiesen, dass der RAG keine hinreichenden Kenntnisse über die Einlagerung von PCB vor den 1980er-Jahren vorlägen. Dass die saarländische Landesregierung aufgrund dieser fehlenden Informationen über Gefahrenstoffe überhaupt eine Stellungnahme zum Grubenwasserhaltungskonzept der RAG abgegeben hat, ist der Bevölkerung gegenüber absolut unverantwortlich.

Welche verheerenden Auswirkungen ein vollständiger Grubenwasseranstieg auf die Umwelt tatsächlich haben könnte, zeigt ein Bericht eines Untersuchungsausschusses aus dem Jahr 1984, der uns nun vorliegt. Darin heißt es: „In den Bergwerken der Saarbergwerke AG sind derzeit 56,2 t geringchlorierte PCB als Hydraulikflüssigkeiten unter Tage und 13,7 t hochchlorierte PCB als Isolierflüssigkeiten in elektrischen Betriebsmitteln im Einsatz.“ Zwischen den Jahren 1979 und 1983 wurden im Saar-Bergbau 1572 Tonnen an PCB-haltigen Stoffen verbraucht. Welche Menge davon jedoch ordnungsgemäß entsorgt wurde, dafür gebe es keine verlässlichen Zahlen. Es wurde lediglich nachgewiesen, dass zwischen dem zweiten Halbjahr 1981 und 1983 insgesamt 19,26 Tonnen an PCB-haltigen Stoffen, die im Übertagebereich eingesetzt wurden, an abnahmepflichtige Unternehmen abgegeben wurden.

Der Ausschussbericht kommt zu dem Schluss, dass die „Sammlung und Beseitigung synthetischer Öle nicht in dem gesetzlich normierten Rahmen praktiziert“ worden ist. Es wird davon ausgegangen, dass „durch den Steinkohlebergbau ganz erhebliche Mengen PCB in die Umwelt“ freigesetzt wurden. Dass PCB aus dem Bergbau eine Ursache für die PCB-Belastung der saarländischen Oberflächengewässer und mitverantwortlich für die Kontamination der Fische ist, hatte das saarländische Umweltministerium im Jahr 2011 in einem Gutachten sogar belegt. Es ist nicht auszudenken, welch weitrechende Folgen es für Mensch und Natur haben wird, falls durch den Grubenwasseranstieg hohe Mengen an PCB und anderen Giftstoffen ins Grundwasser gelangen. Dies ist angesichts der Fakten aus dem vorliegenden Bericht des Untersuchungsausschusses zu befürchten.

Wir lassen nicht zu, dass sich die Landesregierung weiterhin aus ihrer Verantwortung stiehlt und die Bevölkerung über eine mögliche Gesundheits- und Umweltgefährdung im Dunkeln lässt. Daher werden wir dieses Thema auf die Tagesordnung der nächsten Plenarsitzung am 21. Januar setzen.“

 

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