Grünen-Anfrage zeigt: Landesregierung hat kein Konzept für Ausbau der Gemeinschaftsschulen

Die Grünen-Landtagsfraktion hat im Juni eine Anfrage an die Landesregierung zur geplanten Einrichtung von gymnasialen Oberstufen an den Gemeinschaftsschulen gestellt. Zu den Antworten erklärt der stellvertretende Fraktionsvorsitzende der Grünen-Landtagsfraktion, Klaus Kessler:

„Die Gemeinschaftsschule wurde von der Vorgängerregierung eingeführt, um eine Alternative zu G8 mit der Möglichkeit des Abiturs nach neun Jahren zu bieten. Die Landesregierung unternimmt jedoch nichts, um diese Schulform stärker ins öffentliche Bewusstsein zu rücken und betreibt eine Hinhaltetaktik. So hat Bildungsminister Commerçon noch immer kein landesweites Konzept über die künftigen Oberstufenstandorte der Gemeinschaftsschulen vorgelegt.

Dabei ist die Zeitnot akut. Denn im nächsten Schuljahr treten die Schülerinnen und Schüler der Gemeinschaftsschulen bereits in die Klassenstufe 8 ein. Diejenigen, die sich für die gymnasiale Oberstufe qualifizieren wollen und bislang keine zweite Fremdsprache haben, können sich dann für ein weiteres Fremdsprachenangebot entscheiden. Die zweite Fremdsprache wird dann ab Klasse 9 unterrichtet. Doch dazu brauchen sie auch Gewissheit darüber, an welchen Schulen mit welchem Fremdsprachenangebot eine Oberstufe eingerichtet wird.

Wie aus der Antwort der Landesregierung auf eine Anfrage unserer Fraktion hervorgeht, sind zwar 17 Gemeinschaftsschulen zum Schuljahr 2015/16 über Kooperationen in das Oberstufensystem eingebunden. Über eine eigene gymnasiale Oberstufe verfügen mit Ausnahme der Gemeinschaftsschule Dillingen allerdings bisher lediglich die Standorte, die als ehemalige Gesamtschulen ohnehin bereits die Möglichkeit des Abiturs angeboten haben. Von einem wirklichen Ausbau von Oberstufenstandorten kann demnach keine Rede sein. Für den Saarpfalz-Kreis wurde sogar noch kein einziger Oberstufenstandort für Gemeinschaftsschulen benannt. Insgesamt hat Minister Commerçon für 46 Gemeinschaftsschulen im Saarland noch keine Aussage darüber getroffen, ob sie in Kooperation mit einem anderen Standort oder selbst eine gymnasiale Oberstufe anbieten werden.

Offenkundig gelingt es ihm nicht, sich bei diesem wichtigen Zukunftsthema gegen den Koalitionspartner CDU durchzusetzen, der bei der Frage der Oberstufen für Gemeinschaftsschulen auf der Bremse steht. Mit seiner Verzögerungspolitik wahrt der Minister zwar den Koalitionsfrieden, gefährdet damit aber das Zwei-Säulen-Modell. Denn zum einen untergräbt er damit die Gleichwertigkeit von Gymnasium und Gemeinschaftsschule. Zum anderen schafft er für die Gemeinschaftsschulstandorte, die noch keine Zuordnung zum Kooperationsmodell haben, einen eklatanten Wettbewerbsnachteil.“

Link zu den Antworten auf die Anfrage der Grünen-Landtagsfraktion.

 

 

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