Peter: Pannenwarnung der französischen Sicherheitsagentur ASN bestätigt hohes Sicherheitsrisiko durch das AKW Cattenom

In einem Interview mit der französischen Sonntagszeitung „Journal du Dimanche“ nahmtder Chef der nuklearen Sicherheitsagentur ASN, Pierre-Franck Chevet, am 15. September deutlich Stellung zu Problemen im nuklearen Kraftwerkspark in Frankreich. Darüber berichtete das Luxemburger Tageblatt am 15. September unter dem Titel „Furcht vor Pannen in zehn Reaktoren“. Hierzu erklärt die stellvertretende Fraktionsvorsitzende der Grünen-Landtagsfraktion, Simone Peter:

„ASN-Chef Chevet bestätigt, dass es Probleme bei den französischen Atomreaktoren gibt. Diese Probleme können bei mehreren Reaktoren auftreten, denn die Reaktoren seien in Frankreich standardisiert. Bei einer schwerwiegenden Anomalie, etwa bei einem Austritt nuklearer Gase oder Flüssigkeiten, oder bei Korrosionen sei es vorstellbar, dass gleich fünf oder zehn Reaktoren betroffen seien. Das Problem dieser Standardisierung sei auch, dass man ein Problem früher oder später erkenne. Früh erkannt, könne man bei anderen Reaktoren vorbeugend handeln, spät erkannt, können die Anomalie zahlreiche Reaktoren gefährden. Deshalb sehe die Agentur die Schließung von fünf oder zehn Kernreaktoren als „plausibel, möglicherweise realistisch, jedenfalls nicht unmöglich“ an.

Da auch das AKW Cattenom zu einer Baureihe gehört, befürchten wir, dass nicht nur die zahlreichen Defekte im AKW Cattenom selbst ein Sicherheitsrisiko darstellen, sondern auch die Stör- und Zwischenfälle in den anderen Reaktoren der gleichen Baureihe beim AKW Cattenom noch dazu addiert werden müssen. Umgekehrt stellt sich die Frage, ob die permanenten Auffälligkeiten in Cattenom dann auch auf andere Reaktoren in Frankreich übertragen werden können. Das wirft ein ganz neues, erschreckendes Bild auf die nukleare Sicherheit in Frankreich und viele neue Fragen auf. Zudem gibt die ASN im Interview erstmals zu, dass es Bedenken zum französischen Nuklearsystem gebe und dass in Cattenom im Jahr 2012 im Durchschnitt vier Pannen pro Monat registriert wurden, die die ASN genau dokumentierte.

Deutschland und Luxemburg müssen ihr Engagement für die Abschaltung des Pannenmeilers nun noch deutlich verstärken. Der ASN-Chef verweist darauf, dass sich der Betreiber EdF nicht darauf verlassen dürfe, dass man die bestehenden alten Atomkraftwerke automatisch auf 60 Jahre Gesamtlaufzeit verlängern werde. Im kommenden Jahr müsse EDF entscheiden, wie man den zukünftigen Kraftwerkspark in Frankreich gestalten wolle: nuklear, mit Gaskraftwerken oder mit alternativen Energien. Diese Entscheidungsphase müssen wir auf allen Ebenen nutzen und für ein grenzüberschreitendes Signal gegen die Atomkraft und für den Ausbau der Erneuerbaren Energien werben.“

Foto: wikipedia.de

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