Grüne fordern grenzüberschreitendes Expertenhearing zum AKW Cattenom

Anlässlich des jüngsten Zwischenfalls im AKW Cattenom, bei dem 58.000 Liter Salzsäure in die Umwelt entlassen wurde, und des Berichts der Landesregierung im gestrigen Umweltausschuss fordert die umweltpolitische Sprecherin der Grünen-Landtagsfraktion, Simone Peter, ein grenzüberschreitendes Expertenhering zum AKW Cattenom.

„Das Ergebnis des Stresstestberichts aus dem vergangenen Jahr und weitere Expertisen zum Zustand des grenznahen Atomreaktors sollten im Rahmen eines breit angelegten, grenzübergreifenden Expertenhearings nochmals umfassend und unter Beteiligung aller Anrainerstaaten, des Stresstestbeauftragten und Nuklearexperten, Dieter Majer, sowie des Betreibers erörtert werden. Wir fordern die Landesregierung auf, eine solche Anhörung unter Einbindung des Bundesumweltministeriums zeitnah in der Großregion anzuregen, um nochmals umfassend darzulegen, dass es triftige Gründe für die Abschaltung des Pannenmeilers gibt. Ursprünglich wurde hierzu sogar vor eineinhalb Jahren ein weiterer Sondergipfel der Großregion angekündigt, der aber ebenfalls bis heute nicht stattfand.

Gerade hat der in Paris lebende Nuklearexperte Mycle Schneider darauf hingewiesen, dass von dem AKW Cattenom jedes Jahr über 3000 Tonnen gefährlicher Chlor-Verbindungen, wie etwa Salzsäure, in die Umwelt abgegeben werden. Er beruft sich dabei nach Angaben des Trierischen Volksfreundes vom 19.8. auf Aussagen des Betreibers EdF. EdF hatte nach dem Zwischenfall mitgeteilt, dass die Menge von 58.000 Litern nur einem Prozent der pro Jahr genehmigten Menge entsprochen habe. Das bestätigte das Saar-Umweltministerium gestern im Landtagsausschuss. Der Experte hält den Zwischenfall für einen weiteren Beleg dafür, dass es um die Sicherheit der Anlage nicht gut bestellt ist und stützt damit die Aussagen des saarländischen Stresstestbeauftragten Dieter Majer, der nach den Untersuchungen zum Stresstest von einer laxen Sicherheitskultur im Kraftwerk spricht und den sofortigen Entzug der Betriebserlaubnis fordert.

Auch Simone Mohr, Nuklearexpertin beim privaten Öko-Institut in Darmstadt, kritisiert nach Angaben des Trierischen Volksfreunds die mangelnde Sicherheitskultur in Cattenom. Es dürfe nicht sein, dass nach dem Entdecken des Lecks trotzdem Salzsäure in die Umwelt austreten konnte. Da es offensichtlich weiterer Expertenaussagen bedarf, damit der Bundesumweltminister den Risikoreaktor nicht mehr nur „als nationale Angelegenheit Frankreichs“ sieht und endlich die guten nachbarschaftlichen Beziehungen für ernsthafte Verhandlungen über die Sicherheitsmaßnahmen nutzt, sollte ein breit angelegtes wissenschaftliches Hearing nochmals alle Risiken erörtern.“

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