Grüne verurteilen Altmaiers Ruf nach neuen Kohle-Klimakillern

Anlässlich der Äußerung von Bundesumweltminister Peter Altmaier in der ZEIT, wonach er den Bau neuer Kohlekraftwerke für die deutsche Stromversorgung als notwendig erachtet, erklärt die energiepolitische Sprecherin von Bündnis90/Die Grünen:

„Altmaiers Ruf nach neuen Kohlekraftwerken ist kontraproduktiv im Kampf gegen den fortschreitenden Klimawandel und für das Fortschreiten der Energiewende. Auch neue Kohlekraftwerke beschleunigen den Klimawandel, denn die Wirkungsgrade moderner Kohlekraftwerke hinken mit 40-45 % weit hinter denen moderner dezentraler Gaskraftwerke mit Kraft-Wärme-Kopplung (KWK) von über 80 % hinterher. Diese schnell an- und abschaltbaren Gas- und Dampfkraftwerke sind die optimale Ergänzung für die schwankende Stromerzeugung aus Sonne und Wind und sind noch am ehesten befähigt, ihren Strom an der Börse abzusetzen. Kohlekraftwerke verlieren ihre wirtschaftliche Lukrativität zudem weiter, wenn ab 2013 die Emissionshandelszertifikate verknappt und damit verteuert werden.

Die gesundheitlichen, sozialen, ökologischen und ökonomischen Folgen des Klimawandels werden ein unermessliches Ausmaß annehmen. Nach Angaben des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) können die volkswirtschaftlichen Schäden global eine Höhe von bis zu 2 Billionen US-Dollar im Jahre 2050 erreichen; auf Deutschland allein würden 137 Mrd. US-Dollar entfallen. Hier kommt es allemal billiger, den CO2-Ausstoß drastisch zu verringern, als heute die Augen zu verschließen. Ich schließe mich deshalb dem sozialdemokratische Europa-Abgeordneten Jo Leinen an, der in dem Vorschlag der EU-Kommission zum Emissionshandelssystem eine Chance für Investitionen in die kohlenstoffarme Wirtschaft sieht. Die vor gut einer Dekade eingeleitete Energiewende zeigt, dass insbesondere der Arbeitsmarkt vom Bau energieeffizienter Anlagen profitiert. Im Jahr 2011 konnte mit insgesamt 381.600 Beschäftigten durch Erneuerbare Energien ein neuer Höchststand vermeldet werden.

Gegen jedwede Vernunft nun also die Kohle zu protegieren und damit den Teufel Atomkraft mit dem Beelzebub Kohle austreiben zu wollen, kann nur den Lobbyinteressen der auf eine Großkraftwerksstruktur fixierten Energiewirtschaft entspringen, die die Energiewende bisher weitgehend verschlafen hat und neue Subventionstöpfe sucht. Stattdessen sollten Kapazitätsmaßnahmen für dezentrale KWK-Anlagen und Speicher voran gebracht werden, die die Erneuerbaren Energien sinnvoll flankieren.“

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