Günstiger Wohnraum für Studenten ist knapp – Land stiehlt sich aus sozialer Verantwortung

Seit der Schließung des Wohnheims D an der Saar-Uni fehlen im Saarland 260 Wohnheimplätze für die Studierenden. Genügend Ersatzwohnraum zu sozialverträglichen Preisen gibt es jedoch nicht. Hierzu erklärt der bildungspolitische Sprecher der Grünen-Landtagsfraktion, Klaus Kessler:

„In einem Monat startet das Wintersemester, wie in jedem Jahr sind zahlreiche Studienanfänger auf der Suche nach einer Wohnung. Zwar gibt es im Stadtgebiet prinzipiell genügend Wohnraum, allerdings nicht zu sozialverträglichen Mieten. Es darf Studenten nicht zugemutet werden, bis zu 400 Euro monatlich für ein Appartement zahlen zu müssen. Die Landesregierung hätte es in der Hand gehabt, diese prekäre Wohnraumsituation zu vermeiden. Doch seit nunmehr über zweieinhalb Jahren unternimmt sie nichts, um die Sanierung des leerstehenden Wohnheims D auf dem Uni-Campus in die Wege zu leiten.

Das Vorgehen der Landesregierung ist ein Trauerspiel. Bereits im Juli 2013 hatte das Studentenwerk einen Antrag auf einen Landeszuschuss von 50 Prozent für die Sanierung des Wohnheims gestellt, für den restlichen Betrag eine Ausfallbürgschaft beantragt. Über den Antrag wurde erst kürzlich auf Druck des Studentenwerks entschieden. Das Ergebnis: Finanzielle Hilfen werden abgelehnt. Da keine Hoffnung mehr auf eine Förderung durch das Land besteht, will das Studentenwerk die Pläne für Wohnheim D ad acta legen und das Gebäude an die Uni zurückgeben. Das hat die Geschäftsführerin des Studentenwerks im Saarland, Anne-Marie Oswald, uns gegenüber erklärt.

Die Landesregierung spart hier auf Kosten der Studierenden und stiehlt sich aus ihrer sozialen Verantwortung. Sollte sich an der aktuellen Wohnraumsituation nichts ändern, würde das zudem einen erheblichen Standortnachteil für das Saarland bedeuten. Junge Menschen werden es sich zweimal überlegen, hier ein Studium aufzunehmen, falls die Aussichten auf günstigen Wohnraum schlecht sind. Gerade für ausländische Studierende ist es entscheidend, eine Unterkunft auf dem Campus oder in der unmittelbaren Nähe zu finden, um soziale Kontakte knüpfen zu können. Ihnen darf nicht zugemutet werden, monatelang im Stadtgebiet nach einer Wohnung suchen zu müssen, für die sie letztlich noch einen hohen Mietpreis zahlen müssen.

Wir fordern, dass die Landesregierung endlich eine Lösung erarbeitet, um mehr Wohnungen zu sozialverträglichen Preisen für Studierende bereitzustellen. An dieser Stelle zu sparen, bedeutet letztlich, an der Zukunft des Landes zu sparen.“


Hintergrund:
Wohnheim D auf dem Campus der Saar-Uni wurde Ende April 2012 geschlossen, nachdem im Januar an dem maroden Gebäude unter anderem erhebliche Brandschutzmängel festgestellt wurden. Während zwischenzeitlich Pläne für eine Komplettsanierung verworfen wurden, war geplant, dass die Woge das Wohnheim für einen symbolischen Wert von einem Euro der Saar-Uni abkauft und einen Flügel des Gebäudes für 2,3 Millionen Euro saniert. Anschließend sollte das Wohnheim an das Studentenwerk verpachtet werden. Laut der Geschäftsführerin des Studentenwerks, Anne-Marie Oswald, wurden diese Pläne verworfen. Da das Studentenwerk eine hohe Pacht an die Woge hätte zahlen müssen, wären sozialverträgliche Mieten ohne Landeszuschüsse nicht möglich gewesen. Die Studierenden hätten laut Anne-Marie Oswald somit 300 Euro monatlich entrichten müssen. Zum Vergleich: Der Mietpreis für ein Einzelzimmer in Wohnheim D lag bei 168 Euro.

Print Friendly, PDF & Email