Hohe Kinderarmutsquote: Landesregierung muss mit besserer Förderung im Vorschul- und Schulbereich gegensteuern!

Laut einer aktuellen Bertelsmann Studie ist die Zahl der Kinder, die auf Hartz-IV-Leistungen angewiesen sind, im Saarland deutlich gestiegen. Hierzu erklärt der stellvertretende Fraktionsvorsitzende der Grünen-Landtagsfraktion, Klaus Kessler:

„Die aktuellen, alarmierenden Zahlen zur Kinderarmut im Saarland verdeutlichen, dass die Gegenmaßnahmen der Landesregierung in diesem Bereich vollkommen unzureichend sind. Während im Jahr 2011 rund 15 Prozent der Kinder hierzulande armutsgefährdet waren, sind es laut der neuesten Bertelsmann-Studie inzwischen 17,6 Prozent. Damit liegt das Saarland weit über dem Bundesdurchschnitt von 14,7 Prozent.

Da die soziale Armut mit der Bildungsarmut verknüpft ist, brauchen wir eine deutlich bessere Förderung von Kindern aus sozial schwächeren Verhältnissen und damit bildungsfernen Schichten als bisher. Nur so werden sie letztlich eine gute Zukunftsperspektive erhalten. Hier muss bereits in der frühkindlichen Bildung, besonders bei der Verbesserung des Betreuungsverhältnisses in den Kindergärten, angesetzt werden. Laut einer Bertelsmann-Studie betreut eine Kindergarten-Erzieherin im Schnitt 9,6 Kinder. Von einem empfohlenen Betreuungsverhältnis von 1 zu 7,5 ist das noch weit entfernt. Die Landesregierung ist daher gefordert, für eine bessere Personalausstattung in den Kindertageseinrichtungen zu sorgen. Das ist auch vor dem Hintergrund unerlässlich, dass die Anforderungen an die Erzieherinnen und Erzieher durch die Inklusion, die interkulturelle Erziehung und die Sprachförderung kontinuierlich wachsen.

Im Schulbereich muss in erster Linie das Angebot an gebundenen Ganztagsschulen ausgeweitet werden. Insbesondere Kinder aus bildungsfernen Schichten profitieren enorm von einem ganztägigen Betreuungsangebot. Außerdem leisten solche Ganztagsschulen einen wichtigen Beitrag zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Durch eine Ausweitung des Angebots könnte es beispielsweise wesentlich mehr Alleinerziehenden ermöglicht werden, einer Berufstätigkeit nachzugehen und damit letztlich aus dem Hartz-IV-Bezug herauszukommen.

Doch während laut dem ‚Bildungsmonitor 2016‘ im Bundesdurchschnitt 39,6 Prozent der Kinder in der Sekundarstufe I in Ganztagsschulen betreut werden, sind es hierzulande lediglich 18 Prozent. Die Große Koalition hinkt ihrem Ausbauziel, bis Ende der Legislaturperiode 25 gebundene Ganztagsschulen einzurichten, noch deutlich hinterher. Zurzeit gibt es lediglich 17 dieser Einrichtungen. Bildungsminister Commerçon muss hier dringend nachsteuern. Darüber hinaus fordern wir, die Lehrkräfte mehr als bislang durch Schulsozialarbeiter zu unterstützen. An jeder größeren Grundschule und jeder weiterführenden Schule muss hierfür mindestens eine Stelle eingerichtet werden.“

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