Hohes Armutsrisiko bei unter 18-Jährigen: Fördermaßnahmen im Bildungsbereich ausbauen!

Das Kinderhilfswerk beklagt in seiner jüngsten Untersuchung schlechte Aufstiegschancen von Kindern und Jugendlichen, die von Armut betroffen sind. Wie der aktuelle Armuts- und Reichtumsbericht des Saarlandes zeigt, ist hierzulande jeder Fünfte unter 18-Jährige armutsgefährdet. Hierzu erklärt der stellvertretende Fraktionsvorsitzende der Grünen-Landtagsfraktion, Klaus Kessler:

„Das Armutsrisiko im Saarland liegt überdurchschnittlich hoch. Wie aus dem aktuellen Armuts- und Reichtumsbericht hervorgeht, waren im Jahr 2014 insgesamt 16,1 Prozent der Bürgerinnen und Bürger hierzulande armutsgefährdet. Noch alarmierender sind die Zahlen in Bezug auf die unter 18-Jährigen. Hier liegt die Armutsrisikoquote bei 20 Prozent und damit über dem Durchschnitt der Westbundesländer (19,6 Prozent). Im Vergleich zum Jahr 2013 ist die Quote im Saarland sogar um 1,5 Prozent gestiegen.

Diese Zahlen machen deutlich, dass wir entscheidende Qualitätsverbesserungen im Bildungsbereich brauchen, um armutsgefährdeten Kindern und Jugendlichen eine gute Zukunftsperspektive zu geben. Dies beginnt schon bei der Förderung im täglichen Schulunterricht. Um diese zu verbessern, muss Bildungsminister Commerçon endlich den Klassenteiler senken und entsprechend mehr Lehrpersonal einstellen. Nach wie vor liegt der Klassenteiler bei 29 Schülern. Die Große Koalition verfehlt bislang weit ihr Ziel aus dem Koalitionsvertrag, indem immerhin vereinbart wurde, die Klassengrößen auf 25 (Grundschulen) beziehungsweise 27 (weiterführende Schulen) Schüler zu begrenzen. Außerdem fordern wir, das Projekt „Profil“ zur individuellen Lernbegleitung an den Gymnasien auch auf die Gemeinschaftsschulen auszuweiten. Letztere dürfen hier nicht benachteiligt werden.

Darüber hinaus muss die Landesregierung das Angebot an ganztägiger Betreuung deutlich erweitern und endlich den Ausbau der gebundenen Ganztagsschule beschleunigen. Hier hinkt sie ihrem Koalitionsziel, 25 zusätzliche gebundene Ganztagsschulen bis Ende der Legislaturperiode einzurichten, deutlich hinterher. Bislang gibt es im Saarland erst 15 solcher Schulen.

Ein wichtiger Schritt auf dem Weg zur Armutsbekämpfung stellt auch der Ausbau der Schulsozialarbeit dar. Wir fordern von der Landesregierung, an jeder weiterführenden Schule und jeder größeren Grundschule mindestens eine Schulsozialarbeiterstelle einzurichten. Nur durch solche Maßnahmen können wir eine ausreichende Betreuung und Förderung besonders für Kinder und Jugendliche aus sozial problematischem Umfeld gewährleisten.“

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