Internationaler Kindertag: Armutsbekämpfung muss im Bildungsbereich ansetzen

Anlässlich des morgigen internationalen Kindertags (1. Juni) erklärt der stellvertretende Fraktionsvorsitzende der Grünen-Landtagsfraktion, Klaus Kessler:

„Etwa jedes siebte Kind in Deutschland ist inzwischen von Hartz-IV-Leistungen abhängig, was eine direkte Folge daraus ist, dass seine Eltern in Armut leben. Besonders im Saarland ist die Armutsquote in den vergangenen Jahren immer weiter gestiegen. Wie die neueste Studie des Paritätischen Wohlfahrtsverbands zeigt, leben hierzulande 17,5 Prozent (Stand 2014) der Bürgerinnen und Bürger in Armut, 2013 waren es noch 17,1. Und was das Armutsrisiko angeht, liegen die Zahlen teilweise noch höher. So hat der Armuts- und Reichtumsbericht der Landesregierung ergeben, dass jeder fünfte unter 18-Jährige von Armut bedroht ist.

Die soziale Armut ist eng mit der Bildungsarmut verknüpft. Um ihr zu begegnen und auch Kindern aus sozial schwächeren Verhältnissen eine gute Zukunftsperspektive zu geben, müssen wir ihre individuelle Förderung verbessern. Das beginnt schon im frühen Kindesalter. Hier hat das Saarland großen Nachholbedarf. Das zeigt schon das Beispiel des Betreuungsverhältnisses in Kindergärten. Hier kommen laut einer Studie der Bertelsmann Stiftung im Saarland auf eine Erzieherin im Schnitt 9,8 Kinder. Von einem angemessenen Betreuungsverhältnis von 1 zu 7,5 ist das weit entfernt. Die Landesregierung muss die Betreuungssituation daher dringend verbessern und generell für eine bessere Personal- und Finanzausstattung in Kindertageseinrichtungen sorgen. Dies ist auch unerlässlich vor dem Hintergrund, dass die Anforderungen an die Erzieherinnen und Erzieher durch die Inklusion, die Sprachförderung und die interkulturelle Erziehung immer weiter steigen.

Was für den Bereich der frühkindlichen Erziehung gilt, setzt sich im Schulbereich fort, besonders was die gebundenen Ganztagsschulen angeht. Hier bleibt die Große Koalition von ihrem Ziel, bis Ende der Legislaturperiode 25 zusätzliche gebundene Ganztagsschulen einzurichten, noch weit entfernt. Mit Beginn des kommenden Schuljahres wird es insgesamt nur 17 solcher Einrichtungen im Saarland geben. Die gebundene Ganztagsschule leistet nicht alleine einen grundsätzlichen Beitrag zur besseren Vereinbarung von Familie und Beruf. Sie bietet auch Kindern aus bildungsfernen Schichten bessere Fördermöglichkeiten, die deren Eltern zuhause nicht bieten können. Denn besonders diese Eltern sind häufig auf eine intensive pädagogische Unterstützung durch die Schule für ihren Nachwuchs angewiesen. Das gilt beispielsweise für die Hausaufgabenbetreuung.

Wir fordern daher von Minister Commerçon, den Ausbau der gebundenen Ganztagsschulen schneller voranzutreiben. Dies würde auch einen entscheidenden Beitrag zu mehr Bildungsgerechtigkeit im Land leisten.“

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