Mehr Flüchtlingskinder, mehr Betreuungsaufgaben durch Inklusion: Auf Lehrerstellenabbau bis 2020 vollständig verzichten!

Die Grünen-Landtagsfraktion hält die Schaffung von 24 zusätzlichen Lehrerstellen an saarländischen Schulen vor dem Hintergrund der steigenden Zahl an Flüchtlingskindern und Schülerinnen und Schülern mit sonderpädagogischem Förderbedarf für unzureichend. Hierzu erklärt der stellvertretende Fraktionsvorsitzende der Grünen-Landtagsfraktion, Klaus Kessler:

„Das pauschale Infragestellen des Lehrerstellenabbaus durch Bildungsminister Commerçon wird der prekären Situation an den Schulen in keiner Weise gerecht. Zudem kommt diese Einsicht reichlich spät. Denn Tatsache ist, dass die Anforderungen an die Schulen in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen sind, was unter anderem auf die Umsetzung der Inklusion und die zunehmende Zahl erziehungsschwieriger Kinder zurückzuführen ist. Zudem fällt der Rückgang der Schülerzahlen längst nicht so deutlich aus, wie zunächst von PwC und dem Bildungsministerium prognostiziert. Darauf hatte unsere Fraktion bereits vor mehr als einem Jahr hingewiesen. Diese Entwicklung hat die Landesregierung jedoch bisher beharrlich ignoriert.

Um nun die wichtige Betreuung der bis zu 3300 zusätzlichen Flüchtlingskinder sicherstellen zu können, ist es geradezu lächerlich, lediglich 24 neue Lehrerstellen schaffen zu wollen. Denn rein rechnerisch müssten 130 neue Klassen eingerichtet werden, die auch entsprechend personalisiert werden müssen.

Hinzu kommt, dass das Saarland an den weiterführenden Schulen noch deutlichen Nachholbedarf bei der Umsetzung der Inklusion hat. Wie eine aktuelle Bertelsmann-Studie zeigt, besuchen lediglich 37,4 Prozent aller Schülerinnen und Schüler mit Förderbedarf eine Regelschule in der Sekundarstufe. Gleichzeitig nimmt die Zahl von Schülern mit sonderpädagogischem Förderbedarf weiter zu. Um die Personalsituation zu entspannen und den Bedarf zu decken, müssen die Förderschullehrer an den Förderschulen „Lernen“ mittelfristig an die Regelschulen versetzt werden. Hierzu muss die Landesregierung diese Förderschulen im Rahmen eines Stufenplans schrittweise auslaufen lassen.

Angesichts der generell prekären Personalsituation an allen Schulformen fordern wir von Bildungsminister Commerçon darüber hinaus, auf den Stellenabbau im Lehrerbereich bis zum Jahr 2020 vollständig zu verzichten. Reine Lippenbekenntnisse, den Sparkurs zu überdenken, sind völlig fehl am Platz. Die Glaubwürdigkeit des Bildungsministers wird nun daran zu messen sein, wie viele zusätzliche Lehrkräfte er für das kommende Schuljahr unbefristet einstellt, um der dramatischen Personalsituation gerecht zu werden.“

Print Friendly, PDF & Email