Pflegenotstand beheben, Situation für die Pflegenden verbessern!

Angesichts der eklatanten Missstände im Pflegebereich und der jüngsten Todesfälle in saarländischen Alten- und Pflegeeinrichtungen erklärt die gesundheitspolitische Sprecherin der Grünen-Landtagsfraktion, Simone Peter:

„Es besteht ein gravierender Handlungsbedarf im Pflegebereich. Die Zumutbarkeit für das Personal ist längst erreicht und damit auch die Zumutbarkeit für die Pflegebedürftigen in unseren medizinischen Einrichtungen. Die Symptome eines grundsätzlich fehlerhaften Systems im Bereich der Pflege verstärken sich und es ist zu befürchten, dass mangelnde Kontrolle und fehlendes Qualitätsmanagement Missstände in den saarländischen Pflegeheimen begünstigen. Die aktuellen Vorfälle sollten die Entscheidungsträger bei den anstehenden Verhandlungen zum Personalschlüssel entsprechend sensibilisieren.

Die bisher durchgeführten Reformversuche im Pflegebereich blieben unwirksame Kompromisse. So brachte die Bewertung der Qualität von Heimen und Pflegediensten nach dem „Pflege- TÜV“ nicht die dringend nötigen Verbesserungen. Dieses Notensystem ist zu wenig differenziert, da eklatante Mängel in wichtigen medizinischen Bereichen mit guten Noten in anderen Kategorien verrechnet werden. Angehörige erhalten damit keinen aussagekräftigen Überblick über bestehende Pflegeeinrichtungen. Deshalb fordern wir anstelle der zweifelhaften Qualitätsmessung im Einklang mit Wohlfahrtsverbänden und Patientenschutzstiftungen die Aussetzung des Pflege-TÜVs. Wir brauchen neue Kriterien der Qualitätsprüfung für die Pflege, eine reine Überarbeitung der bisher geltenden Kriterien kann keine grundlegende Verbesserung erzielen. Auch konnte das derzeitige System nicht zur Sicherung und Weiterentwicklung der Pflegequalität beitragen und somit keinen Beitrag zum wirksamen Verbraucherschutz leisten.
Zukünftig muss sich die Qualitätssicherung in Pflegeeinrichtungen am aktuellen Stand der Wissenschaft ausrichten, die Pflegeverbände sollen deshalb an den Beratungen beteiligt werden. Darüber hinaus wollen wir eine zusätzliche Instanz in der Qualitätssicherung einführen: Ein unabhängig besetztes Institut für Qualität in der Pflege soll Vorschläge erarbeiten, um Fortschritte für die Betroffenen zu erzielen.
Eine wirksame Reform im Pflegebereich ist unabdingbar, um dem offensichtlichen Pflegenotstand entgegenzutreten! Wir brauchen dringend eine Aus- und Weiterbildungsoffensive im Bereich der Pflege, um dem Fachkräftemangel zu begegnen. Deshalb fordern wir ein integrativ gestuftes Ausbildungssystem für die Alten-, Kinder-, Gesundheits- und Krankenpflege, sowie ein durchlässiges und modular aufgebautes Aus- und Weiterbildungssystem mit einem einheitlichen Anerkennungsverfahren. Außerdem brauchen wir endlich eine angemessene Entlohnung der Pflegerinnen und Pfleger. Zur nachhaltigen Finanzierung einer besseren Pflege schlagen wir eine solidarische Pflege-Bürgerversicherung vor.
Die Landesregierung sollte die Einrichtung einer Pflegekammer im Saarland prüfen und wie in Rheinland-Pfalz, Niedersachsen, Schleswig-Holstein und Bayern eine Umfrage unter den Pflegekräften durchführen. Die Beschäftigten kennen die Interessen ihres Berufsstandes am besten. Um langfristig eine qualitativ hochwertige gesundheitliche Versorgung für alle Bürgerinnen und Bürger sicherstellen zu können, bedarf es der Aufwertung der Pflegeberufe sowie der Möglichkeit, dass Pflegende ihre beruflichen Angelegenheiten selbst mitgestalten. Deshalb setzt sich auch der Bundespflegerat als Dachorganisation aller Pflegekräfte für eine Kammerlösung bei den Pflegeberufen ein.“

(Foto: stock.xchng/melody2)

Print Friendly, PDF & Email