Qualitätssteigerung in der Pflege nur mit mehr Personal möglich!

Zu den Ergebnissen der Studie „PiSaar“ der saarländischen Pflegegesellschaft, an der 62 Pflegeeinrichtungen im Saarland teilnahmen, äußert sich die gesundheitspolitische Sprecherin der Landtagsfraktion von Bündnis90/Die Grünen, Simone Peter:

 „Die Studie belegt eindrucksvoll, dass es erhebliches Verbesserungspotential im Pflegebereich gibt. Einerseits reichen die geltenden drei Pflegestufen nicht aus, um den tatsächlichen Pflegebedarf von Menschen zu bestimmen: Der tatsächliche zeitliche Bedarf für Pflegefälle weicht offenbar enorm von den Einstufungen ab. Die derzeit gültigen Pflegestufen decken nur 30 Prozent des realen Aufwandes ab und 70 Prozent der Aufgaben des Pflegepersonals werden somit gar nicht erfasst. Wenn auf dem Papier für Pflegebedürftige der Stufe 1 eine Behandlungszeit von 120 Minuten angesetzt wird, die Versorgung laut Aussage der befragten Pflegekräfte eigentlich 200 Minuten erfordern würde, dann stimmt etwas bei der Berechnungsgrundlage nicht. 

Diese Fehleinschätzungen gilt es der pflegerischen Realität anzupassen!  So hat die Studie 16 Bedarfsgruppen statt der drei derzeit existierenden Pflegestufen ermittelt.

Weiterhin machen die Ergebnisse der Studie deutlich, dass der einzige Weg zu langfristigen Verbesserungen der Pflegequalität darin besteht, eine massive Aufstockung des Personals einzuleiten. Doch dazu müssen die notwendigen Fachkräfte erst ausgebildet werden. Wir benötigen dringend eine Aus- und Weiterbildungsoffensive im Pflegebereich, um dem Fachkräftemangel entgegenzusteuern. Deshalb fordern wir ein integrativ gestuftes Ausbildungssystem für die Alten-, Kinder-, Gesundheits- und Krankenpflege, ein durchlässiges und modular aufgebautes Aus- und Weiterbildungssystem mit einem einheitlichen Anerkennungsverfahren und eine solide Ausbildungsfinanzierung. Im Bereich der Altenpflege soll schnellstmöglich bundesweit eine Ausbildungsumlage eingeführt werden, die im Saarland schon erfolgreich existiert. Außerdem brauchen wir endlich eine angemessene Entlohnung der Pflegerinnen und Pfleger, zu deren nachhaltiger Finanzierung wir eine solidarische Pflege-Bürgerversicherung vorschlagen.

Um die Qualität der Pflegeeinrichtungen im Saarland hinreichend kontrollieren zu können, ist die saarländische Heimaufsicht besser personell auszustatten! Die derzeit nur sieben Mitarbeiter sind aufgrund der Unterbesetzung seit Jahren außerstande, ihrer gesetzlichen Kontrollpflicht, jedes Heim im Saarland einmal im Jahr zu überprüfen, nachzukommen. Die Landesregierung muss deshalb wirksame Schritte einleiten, um den unhaltbaren Zustand zu verändern, dass ein einziger Mitarbeiter der Heimaufsicht für mehr als 45 saarländische Alten-, Pflege- sowie Behinderteneinrichtungen zuständig ist.“

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