Rahmenbedingungen für Inklusion verbessern – Mehr Stellen für Sonderpädagogen schaffen!

Zur Forderung des Verbands Reale Bildung (VRB) nach einem vorläufigen Stopp der Inklusion im Saarland erklärt der stellvertretende Fraktionsvorsitzende der Grünen-Landtagsfraktion, Klaus Kessler:

 „Es muss unser Ziel sein, allen Schülerinnen und Schülern eine gleiche Teilhabe am Bildungssystem zu ermöglichen. Das ist der Grundgedanke der Inklusion, die auf der von Deutschland unterzeichneten UN-Behindertenrechtskonvention fußt. Doch ist es der saarländischen Landesregierung nicht gelungen, die richtigen Rahmenbedingungen für die Umsetzung zu schaffen.

Es war ein großes Wagnis, ab dem Schuljahr 2014/15 die Inklusion an allen Grundschulen und seit 2016/17 an allen weiterführenden Schulen einzuführen. Hier wären zunächst Modellversuche zielführender gewesen, um das inklusive Schulsystem schrittweise aufzubauen. Denn Fakt ist, dass das Saarland bislang nicht ausreichend viele Sonderpädagogen an den Regelschulen bereitstellen kann. Im Haushaltsplan für 2016 und 2017 hat die Landesregierung nicht einmal eine Aufstockung der Planstellen für Förderschullehrer vollzogen. Es ist konstant bei 660 Stellen geblieben. Und die Ausbildung der Referendare für Sonderpädagogik wurde sogar zurückzufahren von 90 Anwärterstellen im Jahr 2015 auf jeweils 67 in den Jahren 2016 und 2017.

Unter diesen Voraussetzungen kann die Inklusion nicht erfolgreich gelingen. Dennoch halten wir es für den falschen Weg, nun die Uhren zurückzudrehen und die Inklusion wieder zu stoppen. Die Umsetzung der Inklusion muss ein kontinuierlicher Prozess bleiben, dessen Geschwindigkeit allerdings von den gegebenen Rahmenbedingungen bestimmt wird. Bildungsminister Commerçon muss reagieren, indem er die Zahl der Förderschullehrerinnen und -lehrer aufstockt, mehr Ausbildungsstellen anbietet und auch Regelschullehrkräften die Möglichkeit gibt, eine sonderpädagogische Zusatzausbildung zu absolvieren. Darüber hinaus fordern wir, an den Regelschulen qualifizierte Eingliederungshelfer einzusetzen.

Nur, wenn ein qualitativ hochwertiges Bildungsangebot für Kinder mit besonderen Betreuungsbedarf an den Regelschulen bereitsteht, können sie zur echten Alternative für die bestehenden Förderschulen werden.“

Print Friendly, PDF & Email