Telemedizin ersetzt persönlichen Kontakt nicht – Mehr Anreize für Ansiedlungen von Ärzten schaffen!

Zum Vorschlag der Techniker Krankenkasse, vor einer Online-Sprechstunde den Erstkontakt mit dem Arzt zu streichen, erklärt der stellvertretende Fraktionsvorsitzende der Grünen-Landtagsfraktion, Klaus Kessler:

 „Online-Sprechstunden mögen zwar dazu beitragen, einen gewissen Bürokratie- und Zweitaufwand abzubauen. Allerdings warnen wir ausdrücklich davor, die Telemedizin als Ersatz für Arztbesuche zu etablieren. Zum einen ist der persönliche Erstkontakt entscheidend, damit sich der Mediziner ein generelles Bild vom Gesundheitszustand seines Patienten machen kann und auch eine Vertrauensbasis geschaffen wird.

Zum anderen bieten reine Online-Sprechstunden vor allem für ältere Menschen, die im Umgang mit dem Internet nicht vertraut sind, keine Alternative zum Arztbesuch vor Ort. Gerade angesichts des demografischen Wandels und der zunehmenden Alterung der Bevölkerung ist es das falsche Signal, den persönlichen Arztkontakt zugunsten telemedizinischer Angebote mehr und mehr einzuschränken. Darüber hinaus ist es fragwürdig, inwiefern etwa per Online-Videochat verlässliche Diagnosen erstellt werden können.

Was wir vielmehr brauchen sind Anreize, um die Attraktivität des Arzt-Berufes für junge Menschen zu verbessern. Laut dem Ärzteatlas des AOK-Bundesverbands hat bereits ein Drittel der Hausärzte bundesweit und auch im Saarland das 60. Lebensjahr überschritten. Da sich Ärzte zunehmend in Ballungsgebieten ansiedeln, könnte in ländlichen Gebieten künftig eine Unterversorgung drohen.

Wir fordern daher, den Zugang zum Medizinstudium zu erleichtern. Die Vergabe von Studienplätzen soll nicht mehr lediglich von der Abiturnote abhängig sein, sondern auch von Faktoren wie psychosozialen Kompetenzen, einschlägigen praktischen Erfahrungen und sozialem Engagement. Außerdem brauchen wir einen bedarfsgerechten Versorgungsplan, um auch im ländlichen Raum die medizinische Versorgung sicherzustellen. Bestandteil dieses Plans muss es auch sein, bestehende Einrichtungen in ländlichen Gebieten zu Gesundheitszentren auszubauen. Denn der Trend zeigt, dass Nachwuchsmediziner häufiger auf der Suche nach einer Anstellung in einem Versorgungszentrum sind, als den Schritt in die Selbstständigkeit mit einer eigenen Praxis zu wagen.“

Print Friendly, PDF & Email